Insektengiftallergie

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Insektengiftallergie

Insektengift­allergie

Während sich die meisten auf den Sommer freuen, ist während der warmen Monate für manche Menschen besondere Vorsicht geboten. Denn bei Allergiker:innen lösen die Stiche von Bienen, Wespen, Hornissen oder Hummeln teils sehr schwere Reaktionen aus, die sogar zu einer potenziell lebensbedrohlichen Schockreaktion führen können – der sogenannten Anaphylaxie. Bei 1,2 bis 3,5 % der Erwachsenen führen Stiche von Bienen (Apis mellifera) und Wespen (Vespula vulgaris, V. germanica) zu Anaphylaxien.

Ursachen einer Insektengiftallergie

Auslöser der allergischen Reaktion auf Insektengifte sind sogenannte Allergene – eigentlich harmlose Stoffe, die bei Allergikern zu einer Überreaktion des Immunsystems führen. Allein das Gift der Honigbiene (Apis mellifera) enthält zwölf bekannte Allergene. In Wespengift sind bislang fünf Allergene entdeckt worden.

Aufgrund der Verwandtschaft der Insektengruppen ähnelt das Gift der Bienen dem von Hummel und Wespen, obwohl sie in ihrer Zusammensetzung verschieden sind. Dennoch treten häufig immunologische Kreuzreaktionen auf.

Vor allem nach Bremsenstichen werden beispielsweise relativ häufig schwerwiegende allergische Reaktionen beobachtet.

Man nimmt an, dass dies auf eine Kreuzreaktion zwischen den Wespen- und Bremsengiften bei einer vorliegenden Wespengiftallergie zurückzuführen ist.

Symptome

Symptome einer Insektengift­allergie

In den meisten Fällen führen die Gifte nach dem Stich nur zu lokalen Hautreaktionen, die in Sofort- und Spätreaktionen unterteilt werden können. Sofortreaktionen treten unmittelbar nach dem Stich auf und erreichen ihren Höhepunkt nach ca. 20 Minuten. Ihre Symptome sind Juckreiz und die Bildung von Quaddeln oder einer anfallsweise auftretenden Hautrötung (Flush).

Spätreaktionen treten erst nach 24 bis 36 Stunden vollständig auf und äußern sich durch juckende und persistierende Hautknötchen (Papeln) im Bereich des Stiches.

Örtliche Reaktionen können durch kortisonhaltige Cremes oder Gele, eventuell auch durch die Einnahme von Antihistaminika behandelt werden. Bei einer erheblichen örtlichen Reaktion wie einer Schwellung mit mehr als 10 cm Durchmesser, die mehr als 24 Stunden anhält, kann auch die Einnahme von Kortison helfen.

Symptome einer Anaphylaxie

Anaphylaktische Schockreaktionen betreffen die Haut, Atemwege, den Verdauungstrakt und das Herz-Kreislauf-System und können sogar zum Tode führen. An Haut und Schleimhäuten treten dabei Juckreiz, Rötungen, Quaddeln sowie Ödeme auf. Zunge und Gaumen beginnen zu brennen, jucken oder zu kribbeln. Außerdem können Zunge und Gaumenzäpfchen sowie der Bereich des Kehlkopfes anschwellen. Dies kann zu Schluckbeschwerden, Atemgeräuschen und Atemnot führen. Auch Giemen und Husten gehören zu den Symptomen, die nach einem Stich bei Insektengiftallergiker:innen beobachtet werden. Bei Kindern und Jugendlichen kann vor allem die Verengung der Bronchien lebensbedrohlich sein.

Zudem können gastrointestinale Symptome wie krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Es kann außerdem zu einem Blutdruckabfall und zur Verengung der Blutgefäße bis hin zum Atemstillstand kommen. Zusätzlich können Angstzustände auftreten.

Symptome der Haut

  • Juckreiz
  • anfallsweise auftretende Rötung (Flush)
  • Nesselsucht (Quaddeln)
  • Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödem)

Symptome der Atemwege

  • Kratzen im Hals
  • Nasenlaufen
  • Heiserkeit
  • Husten
  • Atemgeräusche
  • Schwellung im Kehlkopfbereich (Larynxödem)
  • Atemnot (Dyspnoe)
  • Verkrampfung der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus)
  • Atemstillstand

Symptome des Verdauungstraktes

  • Übelkeit
  • Krämpfe
  • Erbrechen
  • Durchfall

Symptome des Kreislaufs

  • Anstieg der Herzfrequenz (Tachykardie)
  • Blutdruckabfall (Hypotonie)
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie)
  • Verengung der Blutgefäße
  • Schock
  • Kreislaufstillstand

Behandlung

Behandlung einer Insektengift­allergie

Aufgrund einer sehr hohen Erfolgsquote ist die Hyposensibilisierung (Allergen-spezifische Immuntherapie) für Patient:innen mit nachgewiesener systemischer Reaktion nach einem Bienen- oder Wespenstich in den meisten Fällen die Behandlung der Wahl. Bei einer Bienen- und Wespengiftallergie werden dabei Allergene unter die Haut (subkutan) gespritzt. Man spricht von einer subkutanen Immuntherapie (SCIT).

Die Dauer der Therapie ist vom persönlichen Risiko abhängig und erstreckt sich in den meisten Fällen über drei bis fünf Jahre. Sie wird beendet, wenn die Injektionen und etwaige Stiche ohne anaphylaktische Reaktionen verlaufen. Dennoch sollten Betroffene weiterhin immer ihre Notfall-Medikamente mit sich führen. Denn bei einer Insektengiftallergie ist die Vorbereitung auf einen Notfall besonders wichtig.

Ein solches Notfallset besteht aus drei Medikamenten, mit denen Insektenstiche sofort behandelt werden können. Dazu gehören ein Kortison-Präparat und ein schnell wirksames Antihistaminikum, um mögliche Schwellung rasch abklingen zu lassen. Eine Adrenalin-Fertigspritze soll Blutdruck und Kreislauf stabilisieren. Notfallsets für Asthmatiker:innen enthalten außerdem spezielle Asthma-Medikamente.

Tipps

Tipps bei Insektengift­allergie

Weil die Reaktionen bei Insektengiftallergien im Vergleich zu anderen Allergien besonders schwer sind, ist für Allergiker:innen vor allem im Sommer äußerste Vorsicht geboten. Damit du die warmen Monate trotzdem unbeschwert genießen kannst, haben wir eine Reihe hilfreicher Tipps und Tricks zusammengestellt.

 

Richtig verhalten

Es gibt gewisse Dinge, die sollte man als Insektengiftallergiker:in einfach nicht machen. Hier findest du eine kleine Übersicht, was du unbedingt vermeiden solltest, um nicht gestochen zu werden. 

Keep cool

Bleib in der Nähe von Bienen und Wespen möglichst ruhig und schlage nicht nach ihnen. Erst wenn sich Insekten bedroht fühlen, stechen sie.

Sei nicht anziehend

Verzichte draußen auf stark parfümierte Produkte und Kleidung mit farbigen Blumenmustern. Bienen und Wespen fühlen sich von grellen Farben und Duftstoffen angezogen.

Niemals barfuß

Du reduzierst das Risiko, von Bienen oder Wespen gestochen zu werden, indem du Schuhe trägst.

Im Garten aufpassen

Den eigenen Garten zu verschönern macht Spaß, ist für Insektengiftallergiker:innen aber durchaus riskant. Wir zeigen dir, wie du dich bei der Gartenarbeit besser vor Stichen schützen kannst.

Hut auf

Trage während der Gartenarbeit einen Hut. So können sich keine Insekten in deinen Haaren verfangen.

Lange Ärmel

Bedecke so viel Haut wie möglich während der Gartenarbeit. Trage z. B. langärmelige Kleidung, um dich vor Insektenstichen zu schützen.

Hände weg

Benutze Handschuhe bei der Gartenarbeit. Falls du eine Wespe oder eine Biene überraschst, sticht sie in den Handschuh und nicht in den Finger.

Beim Essen im Freien aufpassen

Ein Picknick in der Natur kann sehr schön sein, für Insektengiftallergiker:innen aber auch schnell im Stress enden. Mit unseren Tipps fürs Picknick kannst du dein Picknick trotzdem genießen. 

Süße Gefahr

In der warmen Jahreszeit tummeln sich Wespen in der Nähe von Obst, Backwaren und süßen Getränken. Meide diese Nahrungsmittel, wenn du draußen bist.

Weg von Bäumen

Besonders im Spätsommer suchen Wespen in Obstbäumen nach Nahrung. Daher solltest du es vermeiden, dich dort aufzuhalten.

Bleib Weg vom Müll

Mülleimer wirken auf Wespen sehr anziehend. Halte dich besser von ihnen fern.

Vielen Dank für die Blumen

Wenn du Bienenallergiker:in bist, dann meide die Nähe von Blüten und Bienenstöcken.

Fleischeslust

Wespen stehen auf Salami, Steak und Schinken. Wenn du beim Picknick Fleischreste offen liegen lässt, lockst du Insekten an.

Auf den Notfall vorbereiten

Trage dein Notfallset stets bei dir und wisse, was im Notfall zu tun ist. So sparst du kostbare Zeit.

Doppelt hält besser

An Orten, an denen du dich viel aufhältst, lagerst du am besten immer ein zusätzliches Notfallset, z. B. im Büro oder Fitnessstudio.

Notruf

Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt. Denke an dein Handy, um schnell medizinische Hilfe rufen zu können.

Ausweispflicht

Trage einen Allergieausweis und die Kontaktdaten der Person bei dir, die im Notfall informiert werden soll. So kann im Ernstfall richtig gehandelt werden.

Passkontrolle

Trage immer einen Anaphylaxie-Pass bei dir. Hier sind die Allergene und Lebensmittel aufgelistet, auf die du allergisch reagierst.

Auf den Notfall mit Kindern vorbereiten

Er ist das Horrorszenario für Eltern von allergischen Kindern: der anaphylaktische Schock. Hier findest du grundsätzliche Maßnahmen für eine optimale Vorbereitung auf den Notfall. 

Ausweispflicht

Gib deinem Kind einen Allergieausweis und deine Kontaktdaten mit. So kann im Notfall richtig reagiert werden und du bist schnell erreichbar.

Information ist wichtig

Informiere Lehrer:innen, Eltern und Freund:innen über die Allergie deines Kindes. Sie alle müssen einen anaphylaktischen Schock erkennen und sofort wissen, was dann zu tun ist.

Notrufbereit

Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt. Denke an dein Handy, um schnell medizinische Hilfe für dein Kind rufen zu können.

Gut Gerüstet

Am besten hast du immer ein zusätzliches Notfallset als Ersatz parat z. B. im Kindergarten, bei den Großeltern oder im Sportverein.

Notfallset bereithalten

Insektengiftallergiker:innen laufen vor allem im Sommer Gefahr, gestochen zu werden und eine damit einhergehende anaphylaktische Reaktion zu bekommen. Ein gut bestücktes Notfallset gibt Sicherheit.

Alles dabei?

Ein Notfallset enthält in der Regel ein Antihistaminikum, ein Kortikosteroid (Kortison) und einen Adrenalin-Autoinjektor.

Wissen, was zu tun ist

Setze dich in einer ruhigen Situation mit deinem Notfallset auseinander, damit du weißt, in welcher Situation du welches Medikament einsetzen kannst. So sparst du im Notfall kostbare Zeit.

Mach es anderen leicht

Falls nicht vorhanden, lege dem Notfallset eine leicht verständliche Gebrauchsanweisung bei, damit im Notfall alle wissen, was zu tun ist.

Ablaufdatum im Blick

Kontrolliere regelmäßig das Verfallsdatum deiner Medikamente im Notfallset und tausche sie rechtzeitig aus.

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